„Zum Bochumer Verein gab es keine Alternative“

An der Alleestraße aufgewachsen, kann Dieter Koscinski (73) mit Inbrunst über das Westend sagen: Ich kenne jede Ecke hier!

Auch wenn er zwischendurch woanders gewohnt hat. Vor eineinhalb Jahren kam Dieter Koscinski zurück, wohnt in Stahlhausen – und fühlt sich „sauwohl“.

Sie kennen doch den großen Supermarkt auf der Alleestraße, neben der Evangelisch-Methodistischen Kirche? Da bin ich aufgewachsen! in der Hausnummer 44. Von hier bis nach Goldhamme kannte ich jeden Stein! Meine Kumpel wohnten ja hier in den Straßen. Meine Großeltern und meine Eltern hatten vor dem Krieg noch in der Ernststraße in Goldhamme gewohnt. Bei Bombenalarm sind sie in den Bunker an der Baarestraße gelaufen, das hat meine Mutter mir erzählt. irgendwann wurden sie ausgebombt und mussten weg. ich selbst bin erst 1946 geboren, also nach dem Krieg. Aber um uns herum waren damals Trümmer, Trümmer, Trümmer. und wer war mittendrin? Wir Kinder!

Heute sieht hier ja alles anders aus, aber den Bäcker auf der Alleestraße zum Beispiel, den gab es damals schon (unter anderem Namen). Neben dem Bäcker war „die Bude“ – und es gab nichts Größeres, als an der Bude eine Tüte für 10 Pfennig zu holen. An manchen Tagen gab es sogar Eis. und wenn wir aus der Schule nach Hause kamen, gab es nur eins: Pölen! Jeden Tag, bei jedem Wetter, stundenlang. Auf den unmöglichsten Plätzen. unsere Wohnung in der Alleestraße hatte fünf große Zimmer: Eines für meine Schwester, meine Eltern und mich; eines für meine Oma und meinen Opa; eines für meine Tante und zwei Zimmer für zwei weitere Familien. Ein Bad gab es nicht. Gebadet wurde einmal in der Woche in einer Zinkwanne in der Waschküche im Kohlenkeller: Erst wurde meine Schwester gebadet; danach wurde „abgerahmt“, also die obere Schaumschicht entfernt. Dann war ich dran, dann meine Mutter und mein Vater. Damit der Linoleum-Boden nicht beschädigt wurde, hatte mein Vater die Wanne auf zwei Holzklötze gestellt.

„Ich würde mich gerne ehrenamtlich im Stadtteil einbringen.“ – Dieter Koscinski

Aber irgendwann war die Schule fertig und dann hieß es: Was willst du jetzt machen, Junge?

Dreher, Schlosser… das wollte ich alles nicht werden. Technischer Zeichner wollte ich werden! Das gab es beim Bochumer Verein aber nicht, und dass ich zum Bochumer Verein gehen würde, das war überhaupt keine Frage. Es gab keine Alternative zum Bochumer Verein. Weil alle dort waren: mein Vater, mein Onkel, alle! Am Ende wurde ich Modellschreiner in einem Stahlwerk des Bochumer Vereins in Weitmar. Nach einem Arbeitsunfall stand ich sechs Jahre lang am Stoßofen in einem Walzwerk in Höntrop. Drei Schichten. Aber irgendwann wollte ich nur noch raus aus der Maloche. ich bekam einen Job bei Graetz (später: Nokia), machte neben der Arbeit mein Abitur nach, wurde neben der Arbeit Betriebstechniker, Projektmanager und war am Ende „Abteilungsleiter Logistik“ bei Nokia, ein richtig hohes Tier! Als Nokia zugemacht wurde, war ich der Letzte, der gegangen ist. Jetzt bin ich rentner. ich habe viel Zeit und ein bisschen Kraft habe ich schon auch noch. Meine Frau und ich fühlen uns in Stahlhausen sauwohl. Unsere Nachbarn haben wir schon kennengelernt und ich würde mich gerne ehrenamtlich im Stadtteil einbringen.

Aufgezeichnet nach einem Gespräch.

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