Zuflucht in Stahlhausen: Nehal Munged Al Beaty aus dem Irak hatte Glück

Nehal_klAls Nehal Munged Al Beaty (24) vor einem Jahr ihr Informatik-Studium an der Universität Bagdad abschloss, schien die Welt für einen Tag in Ordnung zu sein. „Ich hatte so viele Pläne!“

Am nächsten Tag wurde ihre beste Freundin von einer Bombe getötet. Ein Bruder und ein Cousin wurden entführt. „Der IS drohte meinen Mann zu töten, wenn er nicht aufhörte, seine Arbeit zu tun.“

facebook Like ButtonNehals Mann ist Friseur – und damit ein Dorn im Auge der IS-Terroristen. Am 8. August 2015 tritt Nehal, im achten Monat schwanger, mit ihrem Mann und zwei Rucksäcken die Flucht nach Deutschland an. Ihr Haus im Irak mussten sie dafür verkaufen.

„Der Fahrer fuhr, als sei er betrunken“

„Haben Sie von dem Lastwagen gehört, in dem 71 Menschen erstickt sind? Wir kamen am gleichen Tag mit so einem Wagen in Wien an.“ 35 Menschen, zusammengepfercht in einem Laderaum. „Wir bekamen kaum Luft und der Fahrer fuhr, als sei er betrunken.“

Zu diesem Zeitpunkt haben Nehal und ihr Mann bereits stundenlange Fußmärsche durch dunkle Wälder hinter sich, lebensgefährliche Bootsfahrten, kalte Nächte auf nassem Boden. „In Serbien gingen Polizisten mit Schlagstöcken auf uns los.“

„Ich konnte Nehal doch nicht dort sitzen lassen“

Wenige Tage später, am 14. September 2015, wird ihre Tochter Laren Mustafa Al Beaty in einem Essener Krankenhaus geboren. Die Familie lebt in einem Flüchtlings-Zelt. „Unsere Rucksäcke haben wir unterwegs liegen gelassen. Wir waren zu erschöpft, um sie zu tragen.“ Ihr gesamtes Geld haben sie Schleusern gegeben.

Durch Zufall begegnet Nehal noch im September Amany Saad aus Bochum-Stahlhausen. „Ich sah Nehal in Essen auf einer Stufe sitzen, weinend. Den Kopf über ihr Baby gebeugt,
sagt Amany Saad. „Ich dachte erst, das Baby sei tot.“ Sie sprachen miteinander – und wenig später lud Amany Nehal ein, zu ihr nach Hause zu kommen. „Unsere Wohnung ist klein, aber es geht schon irgendwie. Ich konnte Nehal doch nicht dort sitzen lassen.“

„Wir haben Glück, wir leben“

Einmal in der Woche muss Nehal sich in der Zeltunterkunft in Essen melden. „Sie sind dort sehr hilfsbereit“, sagt Nehal. Auf ihrem Handy hat sie Fotos von ihrer Familie im Irak – und von dem maroden Boot, mit dem sie von der Türkei nach Griechenland übergesetzt sind.

Eines Tages würde sie gerne in Deutschland als Informatikerin arbeiten. „Weil ich Englisch
gelernt habe, wird mir das Deutsche hoffentlich auch leichter fallen.“ Bis sie weiß, ob sie bleiben kann, wird sie bei Amany wohnen. „Wir haben Glück“, sagt Nehal. „Wir leben.“

facebook Like Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.