West-östliche Weisheit – am 5. November im Q1

Eine Stimme-Klang-Collage mit Texten von Rumi, Goethe und Hafis ist am 5. November um 18 Uhr in der Friedenskapelle im Q1 zu erleben. Mit Rezitationen aus dem Divan des Hafis, aus dem West-Östlichen Divan Goethes und dem Divan Rumis, dem Poeten und Mystiker des Islam des 13. Jahrhunderts, in dessen Tradition Hafis steht. Leitmotive der rezitierten Gedichte bilden Sehnsucht und Liebe, die auf den Kern islamischer Mystik verweisen.

Die Texte werden vorgetragen von der Rezitatorin Dr. Annette Mönnich und Holger Nollmann (Pfarrer der Friedenskapelle im Q 1); Musik: Tobias Bülow (Indische Traversflöte Bansuri, orientalische Darbuka/Trommel), Dagmar Canales (Leier).

Wer sich selbst und andre kennt,
wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen, lass ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen sei zum Besten!
(Goethe, West-Östlicher Divan)

Hassan Massoudy: Vollkommene Harmonie. In: Ibn‘ Arabi: Die vollkommene Harmonie. Bern München Wien 2002

Das persische Wort „Divan“ bezeichnet eine Liedersammlung. Goethe veröffentlicht 1819 den  Gedichtband „West-östlicher Divan“ – eine „Versammlung deutscher Gedichte mit stetem Bezug auf den ‚Divan‘ des persischen Sängers Mahomed Schemseddin Hafis“. Goethe ist fasziniert von Hafis, dem Poeten und Mystiker des Islam aus dem 14. Jahrhundert und notiert z.B.: „Ferner kostet’s dem orientalischen Dichter nichts, uns von der Erde in den Himmel zu erheben und von da wieder hervorzustürzen oder umgekehrt.“ Goethe schwärmt: „Hafis, mit dir, mit dir allein/ will ich wetteifern! Lust und Pein/ sei uns Zwillingen gemein!/ Wie du zu lieben und zu trinken,/ das soll mein Stolz, mein Leben sein.“ So lässt diese Stimme-Klang-Collage Okzident und Orient einander begegnen.

Was alle wollen, weißt du schon
Und hast es wohl verstanden:
Denn Sehnsucht hält, von Staub zu Thron,
Uns all‘ in strengen Banden.
(Goethe: An Hafis)

Lang‘ ist’s, dass der Sehnsucht Flamme
Tief in meinem Innern ist,
Dass vom brennenden Verlangen
Brust und Herz zerstöret ist.
(Hafis)

Einmalig wie die Sonne bist Du, komm!
Rings um Dich ist das Blatt welk,
der Garten gelb, komm!
Staubig ist die Welt ohne Dich,
Kalt ist unsere Feier ohne Dich, komm! (Rumi)

Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Divan. Stuttgart 1819

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