Wenn der eigene Ofen zu klein ist

„In Syrien haben wir das alle so gemacht: Den Teig für „Manakisch“ bereiten wir zu Hause vor, formen und füllen ihn nach eigenem Geschmack – und gebacken wird alles beim Bäcker“, erzählt Farah Khalifeh (25), Studentin aus Damaskus. „Die Backbleche wurden allerdings von der Bäckerei bei uns zu Hause abgeholt. Hier in Deutschland müssen wir sie selbst hinbringen und abholen.“ Zusammen mit anderen Frauen aus Syrien und Deutschland und mit zehn Backblechen voller Köstlichkeiten läuft Farah Khalifeh die Kohlenstraße in Goldhamme entlang. Die Menschen, an denen sie vorbeikommen, lachen fröhlich und schauen interessiert auf die Backbleche.

Sherin Ibrahim (Mitte) leitet das Stadtteilfrühstück jeden Freitag um 10 Uhr in der Alten Post, zu dem die Nachbarschaft eingeladen ist.

„Manakisch verbinde ich mit sehr schönen Erinnerungen!“, erzählt Sumaja, die aus Hasaka im Norden Syriens stammt, als alle später beim Essen zusammensitzen. „Als meine Kinder noch klein waren, habe ich immer viel Manakisch gemacht, wenn wir zum Beispiel ins Schwimmbad gegangen sind, oder zu einem Picknick. Das war eine wunderbare Zeit, daran denke ich sehr gerne!“

Für Seve aus Kamischli ist Manakisch eine Erinnerung an dunkle Tage: „Als der Krieg anfing, hatten wir ab etwa 9 Uhr morgens bis zehn oder elf Uhr am Abend keinen Strom, später fiel auch das Wasser aus. Ich bin in dieser Zeit immer sehr früh morgens aufgestanden und habe für meine fünf Kinder Manakisch gemacht, damit wir tagsüber etwas zu essen hatten. Mehl bekamen wir aus den Ernährungspaketen der UN.“

„Ich gebe mir immer allergrößte Mühe bei Manakisch!“, ruft Assia aus Kamischli. „Bei uns zu Hause gab es das nämlich nicht. Meine Mutter hat den ganzen Tag geputzt und gewaschen, das Haus war blitzeblank, aber zum Backen blieb keine Zeit. In der Schule hörte ich die anderen Kinder von Manakisch schwärmen, ich durfte es auch probieren – aber meine Mutter hat das leider nie selbst gemacht. Deshalb backe ich besonders gerne Manakisch – und meine Kinder sagen, es ist das beste, das sie je gegessen haben!“

An manchen Orten wird der Teig auch ganz dünn ausgerollt und abwechselnd mit Käse und Öl übereinander gelegt. „Meine Mutter türmte sieben Schichten übereinander!“, prahlt Jihana mit einem verschmitzten Lachen im Gesicht!

Jazia Mahmod hat Manakisch regelmäßig beim Bäcker neben ihrer Arbeit gekauft: „Ich habe in Syrien als Ingenieurin gearbeitet – und immer, wenn ich zu spät zur Arbeit kam, haben meine Kolleginnen und Kollegen mich gezwungen, zur Strafe Manakisch mitzubringen. Leider haben wir das ziemlich oft gegessen…“

Das Manakisch-Backen in Goldhamme war eine Aktion im Rahmen des wöchentlichen Stadtteilfrühstücks in der Alten Post: „Die Frauen haben sich das gewünscht, also haben wir das gemacht“, freut sich Sherin Ibrahim.

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