„Warum machen die das eigentlich?“ – Der Leihladen Bochum stellt sich vor

Christoph B. aus Goldhamme betreut den Leihladen – und führt eine Wunschliste mit Dingen, die Leute gerne ausleihen würde. Vielleicht hat jemand in der Nachbarschaft eines dieser Dinge und würde es ausleihen? Vielleicht kann jemand aus der Nachbarschaft etwas anderes gut gebrauchen?

Im „Raum 9“, dem Ladenlokal des Bochumer Netzwerks Botopia e.V., gibt es einen Leihladen, der dienstags und donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet ist. Hier kann man Bohrmaschinen, Leitern, Spiele ausleihen… Aber warum eigentlich? Der Leihladen erklärt sich selbst:

Warum machen wir das eigentlich – das ist hier die Frage. Warum ist Leihen bzw. Nutzen statt Besitzen sinnvoll?

Es gibt viele gute Gründe, Dinge zu leihen, statt sie zu kaufen und zu besitzen: Dinge müssen produziert werden und dazu werden Rohstoffe und Energie benötigt. Wird ein Ding aber von zehn Leuten genutzt, beträgt die Einsparung an Rohstoffen und Energie 90 Prozent. In einer Welt, in der immer mehr Menschen leben, die Rohstoffe aber begrenzt sind, ist Teilen nachhaltiger als Besitzen.

Dinge kosten Geld. Wer sie sich leiht, statt sie zu kaufen, spart Geld (sofern er das Gesparte nicht für andere Dinge ausgibt). Wer sich Dinge leiht spart Raum in seiner Wohnung. Dinge, auch wenn sie nur selten genutzt werden, benötigen Stauraum. In jedem Haushalt finden sich Hunderte von Dingen, die seltener als 10-mal im Jahr genutzt werden (z.B. Bohrmaschine, Fondueset, Waffeleisen). Andere Dinge werden nur in einem vergleichsweise kurzem Zeitraum beansprucht (z.B. Campingausrüstung, Deko- und Spielsachen). Sie zu kaufen und dann lebenslang zu besitzen, macht wenig Sinn.

Auch aus Gründen wie diesen listete das TIME Magazine im Jahr 2011 Nutzen statt Besitzen zu den zehn Ideen, die die Welt in Zukunft verändern werden („Today´s Smart Choice: Don´t Own.“). Städte wie New York, Chicago, San Francisco, Boston und Seoul haben die Sharable Cities Resolution unterzeichnet und sich bereit erklärt, Sharing-Services in ihren Städten zu unterstützen.

In Sacramento (USA), London, Edinburgh, Wien, Graz, Berlin, Leipzig, Heidelberg, Seoul u.a. haben sich Leihläden oder Werkzeug-Bibliotheken gegründet, welche die Idee des Nutzen statt Besitzen in die Alltagspraxis übersetzen. Sie modernisieren damit eine Institution, die der ägyptische König Ptolemaios II. ca. 300 v.Chr. in Alexandria gründete: Den Bau einer großen Bibliothek, in der alle Bücher für alle zugänglich sein sollten. Das gleiche Prinzip soll in Leihläden auf möglichst viele Gebrauchsgegenstände übertragen werden.

Auch in Bochum.

Einblick in die Leihladen-Schränke.

Für mehr Informationen:

Studie aus 2012 der Boell-Stiftung zum Thema: Nutzen statt Besitzen

Publikation aus September 2015 vom Umweltbundesamt zum Thema: Nutzen statt besitzen

Kontakt:

www.leihladen-bochum.de
info@leihladen-bochum.de

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