Uraufführung des Kinderensemble-Stücks am Thealozzi

Für das Publikum beginnt das Stück bereits, bevor die Schauspielerinnen die Bühne betreten: Eine Kamera auf einer Drohne rollt über die Bühne und projiziert die Zuschauerreihen auf eine Wand aus Pappkartons. „Warum gibt es hier so viele Bunker?“ heißt das dritte Stück des Thealozzi-Kinderensembles unter der Regie von Giampiero Piria. Zur Generalprobe wurden auch in diesem Jahr rund 80 Kinder der nahegelegenen Grundschule An der Maarbrücke eingeladen. Aufgeregt beobachten sie ihr eigenes Bild auf der Bühne, dann geht es los.

„Früher haben die Menschen in Bunkern Schutz gefunden“, sagt eine Figur. „Alle saßen dicht gedrängt, mit dem Rücken zur Wand, und versuchten sich zu beruhigen.“ Für den Regisseur muss eine enorme Herausforderung darin bestanden haben, sein 10-köpfiges junges, aktives Ensemble zeitweise zu entschleunigen. Und genau darin liegt  die große Kraft dieses Stückes, das leise Verbingungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigt.

thealozzi_bunker_kl„Das ist mein Bunker!“, erklären die Darsteller reihum und präsentieren Ideen, woraus ihr Schutzraum bestehen könnte: „Mein Bunker ist eine Schule, an der alle normalen Fächer unterrichtet werden, aber auch Menschenrechte, Sicherheit und Glück.“ – „Mein Bunker ist eine Turnhalle, in der alles auf dem Kopf steht.“ – „In meinem Bunker scheint ein Mond, der immer lächelt.“

„Für die Kinder ist das ein eher ungewöhnliches Stück“, sagt Piria, „weil wir die Geschichte in Bildern erzählen.“ Es gibt keine Rollen und keinen Erzählstrang im klassischen Sinne. Aber mit den Erzählungen, die in das Stück – nach einer Idee von Gudrun Gerlach – einflossen, können die Kinder etwas anfangen. „Ich habe mit Zeitzeugen gesprochen und ihre Aussagen aufgeschrieben“, erklärt Friederike Fehlauer (14). Auf der Bühne trägt sie Zöpfe und ein Kleid, wie es junge Mädchen vor 80 Jahren trugen. Denn Bunker, so fasst es eine Figur zusammen, sind in Beton gefasste Erinnerung. Dafür, dass drei Schulklassen in diesem Theater sitzen, ist es unfassbar still, als Friederike mit starker Stimme ein leises, trauriges Lied der englischen Liedermacherin PJ Harvey anstimmt.

Am Ende strecken zwei Dutzend Kinder im Publikum ihre Hände in die Höhe, um Fragen zu stellen. „Was war in dem Koffer?“ – „Wie lange habt Ihr geprobt?“ – „War das schwer?“ – „Wie heißen die Kinder auf der Bühne?“ – „Wie hast du die Kinder gefunden?“ Piria und seine Kolleginnen auf der Bühne, die ein halbes Jahr zusammen verbracht haben, beantworten alles mit Geduld und Bedacht.

„Nach einer intensiven Recherche zum Thema Bunker haben die Kinder ihre eigene Sicht zum Thema entwickelt“, erklärt Piria anschließend. Gemeinsam schauten sie sich die Bunker im Bochumer Westend an, sprachen über Schutzräume und Sicherheit, besuchten die Bunkermuseen in Oberhausen und Hagen. Nun hoffen sie mit diesem Stück auch Erwachsene zu erreichen. Dieses Kinder-Ensemble jedenfalls macht Theater für alle Generationen.

Informationen

Das Stück „Warum gibt es hier so viele Bunker?“ nach einer Idee von Gudrun Gerlach wird am 6. November uraufgeführt. Weitere Aufführungen: 13.11, 20.11., jeweils 16 Uhr. Kulturhaus Thealozzi, Pestalozzistr. 21, Eintritt 8,-/ermäßigt 5,- EUR.

Gefördert wurde das Theaterprojekt durch den Kulturrucksack NRW.

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