Unser altes Goldhamme

Aus den Zeiten, in denen die Milch noch in Kannen frisch vom Laden um die Ecke geholt wurde („Wer die Kanne schleudern konnte, ohne etwas zu verschütten, hatte gewonnen!“) und in denen die Häuser nach dem Krieg erst wieder aufgebaut werden mussten („Das meiste mussten wir natürlich in Eigenarbeit machen“), davon berichteten Bewohner*innen aus Goldhamme im September im Stadtumbaubüro.

Dieser Laden wurde von den Eltern eines älteren Bewohners der Normannenstraße geführt. Foto: privat
Ein Normannenstraßen-Bewohner – bis heute. Hier hilft er als Kind bei Bauarbeiten. Foto: privat

Goldhamme sei eine Enklave gewesen, erzählt jemand, der 1955 in Goldhamme geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Das sei durch Krupp gekommen, die Arbeit habe die Menschen verbunden. „Wenn ich für meine Eltern Brötchen holen sollte, konnte das schon mal zwei oder drei Stunden dauern, weil man beim Bäcker ‚Hans und Franz‘ getroffen hat.“

Aus dem Familienalbum einer Bewohnerin der Goldhammer Straße: der Bruder wurde an der Essener Straße/Blick auf Erzstraße für ein besonderes Foto platziert. Foto: privat

In den Erzählungen der älteren Generationen kommen über 13 Gaststätten in Goldhamme vor, sechs Metzgereien und sechs Lebensmittelläden: Die Kneipe „Rampft“ an der Maarbrücke, „Stange“ auf der Eugenstraße und so weiter. Das erste Kino (Cheruskerstraße, später Aldi) war „eine Sensation!“ – „Hier war richtig Leben!“, schwärmt eine ältere Frau, die in Goldhamme aufgewachsen ist und nun in einem anderen Bochumer Stadttteil lebt. „Aber Goldhamme – das ist meine Kindheit, meine Heimat.“

Die Kopfsteinpflasterstraßen waren auch Spiel- und Spazierfläche, weil noch nicht so viele Autos fuhren. Parkplätze waren noch kein Thema. Foto: privat

Nach dem Krieg habe alles in Schutt und Asche gelegen. Die Menschen mussten selbst anpacken, um ihre Häuser wieder aufzubauen. „Wir haben alles in Eigenarbeit verputzt“, erzählt ein älterer Normannenstraßen-Bewohner. „Unser Haus war das erste in der ganzen Siedlung, das einen farbigen Anstrich bekam!“ Die Farbe hält bis heute. Andere in der Nachbarschaft sind nachgezogen.

An jeder zweiten Ecke ein Laden. Hier der Laden von Familie Bartels: Eier, Butter, Käse. Alles frisch. Foto: privat

Im heutigen Stadtumbaubüro an der Kohlenstraße 213 war übrigens lange Jahre die Reinigung „Kitsch“, später ein Weinhandel. Die Fahrschule nebenan war „immer schon da“.

Foto: privat
Aus wirklich ganz alten Zeiten: Die Milch wurde mit Pferdewagen durch Goldhamme gefahren. Foto: privat

Bei einem StadtumbauTreff Mitte September wurden Fotos und andere Erinnerungen aus alten Zeiten ausgetauscht. Horst Bartels von der Normannenstraße hatte dem Stadtumbaubüro zahlreiche Fotos aus privaten Beständen zur Verfügung gestellt. Neben weiteren privaten Fotos wurden Aufnahmen aus dem Archiv der Stadt Bochum gezeigt.

Hammer Straße (heute: Erzstraße). Foto: Archiv Stadt Bochum
Hochöfen Bochumer Verein, Gahlensche Straße. Archivmaterial der Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt
Kohlenstraße, Schrebergärten, Blick auf Bochumer Verein. Archivmaterial der Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt
Hochbunker Wattenscheider Straße 1957 (heute: am Wendenpark). Archivmaterial der Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt
Alleestraße, Blick auf Bochumer Verein. Archivmaterial der Stadt Bochum.

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