„Neu in Deutschland“ bei „Ruhr International“ im Westpark

Ruhr International_Khaled im Gespräch_klIn der Lounge des wunderbaren WorldBeatClub Bochum durften wir bei Ruhr International im Westpark unsere Zeitung „Neu in Deutschland“ mit einer kleinen Lesung und anderen Aktionen vorstellen.

Zu den teils noch unveröffentlichten Texten, die unser Team aus Syrien und dem Irak bei dieser Gelegenheit vorstellen durfte, gehört ein Gedicht, eine Hymne von Bassam Tamo auf seine neue Heimatstadt Bochum, die Herbert Grönemeyer nicht schöner hätte fassen können.

Ruhr International_Khaled, Dorte_klVor allem aber haben wir viele Antworten auf unsere Fragen bekommen: „Warum gehen Menschen mit Hunden spazieren?“ – „Kennen Sie ein Gedicht?“ – „Haben Sie ein Vorbild?“ – „Welchen Eindruck haben Sie von uns, den Geflüchteten?“ – „Warum sind sonntags die Straßen so leer?“ – „Welche deutsche Redewendung gefällt Ihnen?“

„Es war schön zu sehen, wie die Leute die Befragung wahrnahmen“, sagt Khaled Al Rifai, der mit Kollegen aus unserer Redaktion und einer Glaskugel (darin waren die Fragen auf kleinen Zetteln geschrieben) über das Festival lief und auf diese Weise viele, viele Antworten bekam. Einige persönliche, andere Leute versuchten die Sicht einer deutschen Mehrheitsgesellschaft wiederzugeben. „Vor allem die Älteren gaben uns gerne und ausführlich Antwort. Die Jüngeren gaben kurze Antworten. Und junge Frauen wollten an der Befragung nicht teilnehmen. Wahrscheinlich wollten sie nicht, dass wir ihnen zu nahe treten.“

Eine ältere Frau gab dem jungen Team eine Lebensweisheit mit auf den Weg: „Mit Liebe und Humor kommen Sie durchs Leben, merken Sie sich das, junger Mann!“

IMG-20160516-WA0011Was sonst noch gesagt wurde:

WARUM GEHEN MENSCHEN MIT HUNDEN SPAZIEREN?

Passantin: „Weil sie nicht allein spazieren gehen möchten.“
Khaled: „Aber man kann doch mit Freunden oder Angehörigen spazieren gehen.“
Passantin: „Ja, aber manchmal haben die keine Zeit. Mit einem Hund kann man jederzeit und regelmäßig spazieren gehen.“

Passant: „Weil sie nicht allein gehen möchten.
Khaled: Aber man kann mit Freunden oder Angehörigen spazieren gehen.“
Passant: „Manche haben keine Freunde und Verwandte.“

Passant: „Weil der Hund kann reden kann.“

Passantin: „Weil der Hund in der deutschen Gesellschaft eine besondere Bedeutung hat. Manchmal bekommt er sogar besseres Essen als die Menschen im selben Haushalt.“

Ruhr International_Omar und Feras_klNEHMEN SIE MIT MENSCHEN AUS ANDEREN LÄNDERN KONTAKT AUF?

Passantin: „Ja, selbstverständlich, das ist ganz normal. Ich habe darüber nie nachgedacht.“

Passantin: „In meiner Klasse in der Schule sind fast alle Ausländer und mit denen nehme ich jeden Tag Kontakt auf.“

ICH BIN SEIT ZWEI JAHREN IN DEUTSCHLAND. KAUM JEMAND HAT MIT MIR GESPROCHEN. WARUM?

Passantin: „Ich glaube, dass die Leute Angst verspüren vor fremden Leuten, weil sie andere Sprachen sprechen.“

WAS HABEN SIE HEUTE GEFRÜHSTÜCKT?

Passantin: „Vollkornbrot mit Marmelade.“

Passantin: „Brötchen mit Marmelade.“

Passantin: „Eier.“

Ruhr International_Khaled Al Rifai_klDIE DEUTSCHEN HABEN DIE GRENZEN GEÖFFNET UND UNS AUFGENOMMEN. WENN DIE SITUATION IN UNSERER HEIMAT WIEDER BESSER IST, WERDET IHR UNS AUCH WIEDER GEHEN LASSEN?

Passantin: „Ja, klar. Jeder entscheidet für sich selbst. Von mir aus könnt ihr bleiben.“

Passantin: „Ich glaube, die meisten Deutschen wünschen sich, dass die Flüchtlinge wieder zurückkehren. Ich selbst wünsche mir, dass sie bleiben.“

WARUM SIND SONNTAGS DIE STRASSEN SO LEER?

Passantin: „Weil es so bestimmt worden ist.“
Khaled: „Von wem?“
Passantin: „Von der Religion. Im Alten Testament steht: ‚Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen.'“

Passantin: „Weil die Deutschen langweilig sind.“

WELCHE DEUTSCHE REDEWENDUNG GEFÄLLT IHNEN?

Passantin: „Ich weiß nicht, ich kenne keine.“
Khaled: „Morgenstund hat Gold im Mund… Butter bei die Fische… Das letzte Hemd hat keine Taschen…“

Passantin: „Ins Fettnäpfchen treten.“

Ruhr International_Khaled und Abdul_klAuf die Frage nach deutschen Redewendungen fand kaum jemand eine Antwort. Noch weniger Antworten kamen nur auf die folgende Frage:

KENNEN SIE EIN GEDICHT?

Passant: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht, ich kann nicht mehr die Augen schließen. Und meine heißen Tränen fließen. …“ Das ist von Heinrich Heine.“

WELCHEN EINDRUCK HABEN SIE VON UNS, DEN GEFLÜCHTETEN?

Passantin: „Ich weiß nicht. Ich bin nie einem Geflüchteten begegnet.“
Khaled: „Sie stehen gerade vor einem.“
Passantin: „Ach so. Sie wirken ganz nett.“

IMG-20160516-WA0004„WIR WAREN AUF MAL, WIE IHR SEID. WIR HATTEN EIN ZUHAUSE,  EINE HEIMAT, EIN NORMALES LEBEN. DENKT IHR DAS MIT, WENN IHR UNS BEGEGNET?

Passantin: „Oh, ja, allerdings.“

Passantin: „Ja, auf jeden Fall.“

„WARUM ENDET DAS ÖFFENTLICHE LEBEN SO FRÜH AM ABEND?

Passantin: „Ich weiß nicht.“

Passantin: „Keine Ahnung, das kann ich mir auch nicht erlären.“

Passantin: „Damit man am nächsten Tag gut arbeiten kann.“

WAS KÖNNEN WIR FÜR EUCH TUN?

Passantin: „Unsere Kultur akzeptieren und unsere Gastfreundschaft annehmen. Von uns lernen – und uns später anbieten, was Ihr beitragen könnt.“

ruhr international 2016_logoPassantin: „Deutsch lernen, und zwar sehr schnell. Kinder lernen die Sprache in sechs Monaten.“

 

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