Neu im Stadtumbaubüro: Hülya Ciğerli

Seit September gehört die Sozialwissenschaftlerin Hülya Ciğerli zum Team des Stadtumbaubüros an der Kohlenstraße. Mit vier Sprachen und einem offenen Herzen wird es ihr leichtfallen, die Menschen im Viertel kennenzulernen.

In einem Haus am Ende der Goldhammer Straße gab Hülya Ciğerli früher einmal einem Kind Nachhilfe-Unterricht. „Das ist zwar schon lange her“, erzählt die 45-Jährige, die damals an der Ruhr-Universität Sozialwissenschaften studierte. „Aber immerhin bringe ich eine Erinnerung an Goldhamme mit, wenn ich hier nun meine Arbeit anfange.“ Seit Mitte September leitet sie zusammen mit der Stadtentwicklerin Lissa Peters das Stadtumbaubüro an der Kohlenstraße. Weil ihr türkischer Name für deutsche Zungen kompliziert ist, spricht sie ihn „Siegerli“ aus, mit weichem „s“.

Aufgewachsen in Duisburg, zog Ciğerli fürs Studium nach Bochum, wo sie seit rund zehn Jahren arbeitet. „Bochum fängt die Menschen ein!“, schwärmt sie, auch wenn Duisburg schon lange wieder ihr Wohnort ist, in der Nähe der Eltern und Geschwister. Als Fünfjährige sei sie mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen, erzählt sie und bezeichnet sich als kurdische Frau aus der Türkei mit einem deutschen Pass. „Die Herkunft prägt einen natürlich! Und es ist doch interessant zu sehen, was jemand mitbringt. Das öffnet den eigenen Blick. Am Ende sind wir ja alle Menschen.“

Ich möchte wissen, wer hier lebt

Von ihrem Bürofenster aus sieht Ciğerli auf den Sparki-Spielplatz. Manchmal, wie an diesem Tag, sitzen dort Jugendliche herum, die eindeutig zu alt für die Spielgeräte sind. „Manche rauchen, viele lassen ihren Müll dort liegen.“ Seit 2008 arbeitet Ciğerli für die Ifak in der Erziehungshilfe und qualifizierte sich als Anti-Gewalt-Trainerin. Diese Erfahrungen stärken sie natürlich auch in konfliktgeladenen Situationen. „Eben bin ich zu den drei Jungs da vorne auf der Bank gegangen und haben ihnen gesagt, dass sie gerne dort sitzen können. Aber bitte so, dass es nicht unangenehm für andere ist.“ Dazu gehöre selbstverständlich, dass sie keine Drogen nehmen und dass sie ihren Müll wegräumen.

Wer die drei sind, was sie machen, welche Hilfe sie möglicherweise gebrauchen können, das weiß Ciğerli noch nicht. „Aber diese Dinge werden mich im Rahmen meiner Aufgaben im Stadtumbaubüro natürlich beschäftigen. Ich möchte wissen, wer hier lebt.“

Wie schwierig das Leben als Jugendlicher sein kann, weiß Hülya Ciğerli ziemlich genau. „Jugendliche brauchen Orte, an denen sie sich treffen können.“ In Goldhamme gibt es davon leider nicht sehr viele. Abgesehen vom Jugendzentrum e57 natürlich. „Zum Glück fällt es mir leicht, auf Menschen zuzugehen – und zu Eltern habe ich in der Regel auch einen guten Draht“, sagt sie fröhlich. Ansprechen kann man Hülya Ciğerli auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Kurdisch.

Für den nächsten Tag nimmt sie sich vor nachzugucken, ob die Jugendlichen tatsächlich aufgeräumt haben. Und wenn nicht? Sie lacht. „Dann haben wir noch einen langen gemeinsamen Weg vor uns!“

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