Liebe Frau Luisa Hermans…,

kristineich erinnere mich wie heute daran, wie wir uns trafen. Sie wollten mir helfen, Deutsch zu lernen, aber ich lernte von Ihnen nicht nur die Sprache. Wenn ich traurig war, weil mein Mann damals in einer anderen Stadt lebte, kamen Sie oft zu mir und brachten mir eine Blume mit. Ich sah Sie oft schon von meinem Fenster aus mit dem Auto kommen. So viele Blumen haben Sie mir gebracht! Und weiße Schokolade! Weil Sie wussten, wie gern ich weiße Schokolade mag.

Sie haben so viel für mich getan. Doch keinen Dank wollten Sie von mir. Wie eine zweite Mutter in einem fremden Land waren Sie für mich. Es ist so wichtig, dass man sich am Anfang nicht allein fühlt und moralische Rückenstärkung bekommt. Ich fragte oft: Was kann ich in Deutschland machen, ohne eine anerkannte Ausbildung? Sie sagten immer: „Lerne Deutsch! Triff Dich mit Leuten, sie geben Dir Tipps.“

Daran denke ich immer, wenn ich heute unterwegs bin. So muss ich es machen – Luisa hat es so gesagt. Ich habe so viel von Ihnen gelernt.

Meine Tochter Angelina wird nun bald vier. Für sie waren Sie wie eine Oma. Meine Mutter in Armenien sagt zu meiner Tochter: „Luisa ist auch Deine richtige Oma, Angelina! Sie ist immer neben Dir.“

Leider gehen gute Menschen immer früh… So sagen wir in Armenien. Sie waren 70, Frau Hermans, aber so sportlich. Aus einfachen Brettern haben Sie Schränke gebaut. Dann kam der Krebs.

Ich werde Ihnen immer dankbar sein. Sie sind in meinem Haus, in jeder Ecke habe ich etwas von Ihnen. Ein kleines Buch, ein Bild, ein Spielzeug. Liebe Frau Hermans, ich sage Danke für alles. Sie sind immer in meinem Herzen.

In großer Liebe, Kristine

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