„Mit Ihren Projekten setzen Sie ein Zeichen!“ – Internationale Kulturwochen im Westend eröffnet

Halil Christian_klMit einer starken Rede von Christian Cleusters, Geschäftsführer der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum (MFH), und sehr freundlichen verbindlichen Worten von Bürgermeisterin Gabriela Schäfer, wurden am Freitag in der Alten Post die 8. Internationalen Kulturwochen im Bochumer Westend eröffnet.

facebook Like ButtonUnter dem Motto „Willkommen im Westend“ starten in Goldhamme, Stahlhausen und dem Griesenbruch ab sofort 19 kulturelle Projekte zu den Themen „Flucht und Ankommen“, die einzeln oder in Kooperation von 22 Einrichtungen durchgeführt werden, finanziert durch das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“. Die Ergebnisse werden, wie gewohnt, beim Westendfest präsentiert, das in diesem Jahr am 3. September auf dem Springerplatz stattfindet.

Schäfer mit der WAZBürgermeisterin Gabriele Schäfer hält zu Beginn ihres Grußworts strahlend eine aktuelle WAZ-Ausgabe in die Höhe. In einem langen Artikel wird hier das „Wunder von Stahlhausen“ beschrieben:

Brigitte Küch erinnert sich noch an die erste Bürgerversammlung im Krisengebiet, zehn Jahre muss das her sein: „Da haben die Leute uns erst mal die Missstände aus 20 Jahren vor die Füße geworfen. Müll, schlechte Straßen, keine Geschäfte, Vandalismus. Und es würde ja doch nichts getan.“ Ihrem Team vom „Stadtumbau West“ war klar: Sie mussten schnell zeigen, sie tun was; und sie begannen im Kleinen: mit Rutsche und Sandkasten. Ein Spielplatz steht am Anfang des Wunders von Stahlhausen. […]

Halil Küch„Das Wunder von Stahlhausen ist hier richtig gut beschrieben“, freut sich Schäfer und betont den Anteil des Städtebauförderprogramms, das „trotz der massiven Kürzungen in Berlin“ damals eingerichtet wurde. „Gute Stadtentwicklung ist gute Stadtteilentwicklung.“

In den vergangenen Jahren seien viele bauliche Maßnahmen vorgenommen worden („es wurden viele Steine bewegt, die übrigens sehr schön geworden sind“). Aber Steine zu bewegen sei nur das eine, sagt sie, und freut sich über die enge Einbindung der Bürgerinnen und Bürger aus dem Westend. „Sie sind die Wissenden.“

Cleusters-klChristian Cleusters weiß durch seine Tätigkeit bei der Medizinischen Flüchtlingshilfe, wie wertvoll der Austausch auf Augenhöhe ist. „Wir müssen in unserer Arbeit die Perspektive der Betroffenen mit einbeziehen. Wir dürfen diese Menschen nicht allein durch die humanitäre Defizitbrille sehen.“

Das umfangreiche ehrenamtliche Engagement, die alltäglichen Begegnungen mit Flüchtlingen bezeichnet er als sehr wertvoll. „Nur wenn man sich auf dieser menschlichen Ebene begegnet, kann der Eindruck des Fremdseins abgebaut werden.“ Wobei sich bei der Zusammenarbeit mit Geflüchteten natürlich alle Beteiligten zunächst fremd sind.

Publikum_Schäfers_klCleusters betont auch den politischen Aspekt der kleineren und größeren Projekte und Begegnungen mit Flüchtlingen. Durch Begriffe wie ‚Flut‘ oder ‚Welle‘ werde das Thema in der öffentlichen Debatte entpersonalisiert. „Mit ihren Projekten setzen Sie dagegen ein Zeichen.“ Indem die Geflüchteten darin ein Gesicht und einen Namen bekommen. In einer Zeit, in der die AfD auf dem Vormarsch ist und Donald Tusk in der Öffentlichkeit sagen darf, dass es zu einfach sei, nach Europa zu kommen. Nachdem es im Jahr 2015 über 1000 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben hat.

Die MFH konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Gesundheitsversorgung der Geflüchteten. Ein Bestandteil hiervon sei die psychosoziale Gesundheit dieser Menschen. „Menschen, die Schutz suchen, haben ihre Lebensgrundlage verloren, und das Vertrauen in ihre Mitmenschen.“

Gruppenbild 2„Ihre Arbeit“, wendet er sich an die Beteiligten der internationalen Kulturwochen, „unterstützt die Menschen dabei, soziale Netzwerke aufzubauen, die durch die Flucht verloren gegangen sind.“ Mut und Halt müssen sie erst wieder aufbauen. „Die Flüchtlinge wollen sich einbringen“, sagt Cleusters, und betont: „Flüchtlinge sind Menschen mit Ressourcen, mit Fähigkeiten.“

Wobei man auch Verständnis für diejenigen aufbringen sollte, die in der kräftezehrenden „Warteschleife des Asylverfahrens“ stecken und deshalb kein Interesse an kreativen Projekten entwickeln können.

facebook Like ButtonIndividuelle Schicksale fänden auf politischer Ebene immer weniger Berücksichtigung. „Im Stadtteil haben Sie einen viel direkteren Kontakt.“ Und durch diesen Kontakt wiederum entsteht ein Wissen, das die ProjektmitarbeiterInnen ruhig auch – mit kritischem Blick – in die Politik tragen sollten. Denn „sie sind die Wissenden“ (Schäfer).

2 Gedanken zu “„Mit Ihren Projekten setzen Sie ein Zeichen!“ – Internationale Kulturwochen im Westend eröffnet

    1. Ein Veranstaltungsprogramm im klassischen Sinne gibt es nicht. Die beteiligten Institutionen im Westend bearbeiten ihre Projekte und präsentieren ihre Ergebnisse beim Westendfest am 3. September auf dem Springerplatz. An einigen Projekten können Sie sich als Bürger/in jedoch beteiligen. Eine Auflistung dieser Angebote ist angefragt und wird in diesem Fall auf der DreiVietel-Seite veröffentlicht.

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