„Hörst du nicht die Glocken?“

Pfarrer Holger Nollmann über das Läuten der Glocken in Stahlhausen.

Kirchenglocken laden ein zum Innehalten. Sie geben dem Tageslauf einen Rhythmus. Sie erinnern an das Fortschreiten der Zeit im Horizont der Ewigkeit. Sie rufen zum Gottesdienst. Die drei Glocken der Friedenskirche (im Q1, Halbachstraße 1) tun dies verlässlich seit vielen Jahren für die Menschen in Stahlhausen und im Griesenbruch. Gegossen wurden sie nur wenige Meter entfernt, beim „Bochumer Verein“ – aus Stahl. Sie sind also echte „Heavy-Metal-Glocken“.

Foto: Dorothee Schäfer

Nach dem Ausbau der Friedenskirche zum Stadtteilzentrum Q1 wurde das „Wann“ und das „Warum“ des Glockenläutens an diesem Ort neu reflektiert.

„Süßer die Glocken nie klingen“ – Anlässe und Zeiten

a) Eine einzelne Glocke regt an zum Innehalten

In vielen Kulturen der Welt gibt es die Tradition, den Tag in Dreistundenschritte zu unterteilen. Viele

geistliche Gemeinschaften übersetzen das in sogenannte Tagzeitengebete – z.B. in Klöstern. In der Gegenwart setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass dem drohenden Ausgelaugtsein aufgrund der wachsenden Anstrengungen auch durch eine sinnhafte Rhythmisierung des Tages vorgebeugt werden kann.

b) Die drei Glocken rufen gemeinsam zum Gottesdienst

An jedem Sonntag und kirchlichen Feiertag wird im Bezirk Friedenskirche um 11 Uhr ein Evangelischer

Gottesdienst gefeiert. Dieser wird von 10:30-10:33 Uhr angeläutet und von 10:55-11:00 Uhr „eingeläutet“ – als Einladung und als Hinweis auf die auch aus der Ferne mögliche Teilnahme an der Freude, der Trauer und am Gebet der dort Versammelten.

Die Gemeinde knüpft sowohl an die historischen Traditionen als auch an die modernen Erkenntnisse an. Die Glocken läuten mehrmals am Tag, jeweils drei Minuten mit einer einzelnen Glocke, und lädt damit zu einer kleinen Atempause ein, zum Innehalten, zur heilsamen Unterbrechung: „Eine Glocke läutet und macht mich aufmerksam.

Ich lasse mich auf die Einladung ein, mein Tun zu unterbrechen –
mir, meinen Gedanken und Gefühlen Raum zu geben.
Ich komme zur Ruhe:
Was bewegt mich heute?
Wofür und für wen will ich gerade jetzt gute Gedanken finden?“

Toleranz und Respekt

Das Läuten der Glocken sendet positive Signale – z.B. so: Als Bitte um einen gelingenden Tag. Als Bitte um Frieden und Verständigung. Als Bitte um Gerechtigkeit und Solidarität. Als Bitte für die Bewahrung der Schöpfung und unserer Lebensgrundlagen.

Wir hoffen, dass diese Signale von den Menschen im Hörbereich der Glocken aufgenommen, akzeptiert oder zumindest toleriert werden können.

Gemeinsam an das Wohl der Menschen und der Welt zu denken und entsprechend zu handeln, eint viele unterschiedliche Religionen, Kulturen und Weltanschauungen.

Die Friedenskapelle im Stadtteilzentrum Q1 ist eine „Offene Kirche“ – geöffnet werktags von 9-16 Uhr.

Mehr Informationen zur Friedenskapelle, die als „Raum der Stille“ allen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen offen steht.

Regelmäßige Evangelische Gottesdienste im Bezirk Friedenskirche:

1., 2., 4. (5.) Sonntag um 11:00 Uhr: Auferstehungskirche, Alleestr. 48.

3. Sonntag um 11:00 Uhr: Friedenskapelle im Q1, Halbachstr.1.

3. Montag (mit Abendmahl): Albert-Schmidt-Haus, Heuversstr. 2.

 

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