„Wenn ich das schaffe, schafft Ihr das auch!“

Theater 2_klDie VHS Zweigstelle Baarestraße feiert 10-Jähriges. Es gibt Zwischenzeugnisse – und Buntes

„Herr Oberbürgermeister Eiskirch, wie viele Flüchtlinge leben zur Zeit in Bochum?“ Thomas Eiskirch beugt sich auf seinem Platz in der ersten Reihe nach vorne. „In Bochum sind es zur Zeit rund 5300.“ – „Richtig!“, sagt der junge Moderator von der „Radiostation MF“ selbstbewusst. MF steht für Meinungsfreiheit und die Radiostation ist Teil des Bühnenprogramms, das zur Zwischenzeugnis-Übergabe an der VHS-Zweigstelle Baarestraße präsentiert wird.

mit Eiskirch_klfacebook Like Button„Wir haben heute auch noch etwas anderes zu feiern“, sagt Elke Dietinger, Leiterin des Bereiches SchulabschlussPlUS. „Wir feiern 10-Jähriges! In diesen Jahren ist das Gebäude zu unserem Haus geworden. Durch die Menschen, die hier arbeiten.“

Im vergangenen Halbjahr arbeiteten einige im Haus an unterschiedlichen Projekten zum Motto „Globales Lernen“. Um Vielfalt statt Einheitsbrei ging es dabei, um Presse- und Meinungsfreiheit, Mobbing, Social Media und viele andere Themen.

„Die VHS hat mir sämtliche Türen geöffnet“

„Ich habe mich mit der Organisation Reporter ohne Grenzen beschäftigt“, erzählt Mohammed Bouziane, 26. „Jeden einzelnen Fall habe ich durchgelesen!“ Einzelne Berichte über verfolgte, verhaftete oder ermordete Reporter und andere Vergehen gegen die Pressefreiheit weltweit hat er kopiert und für den Präsentationstag an eine Pappfigur geheftet. „Dass man auch ohne Ausbildung als Journalist arbeiten kann, das hat mich fasziniert.“ Ob er selbst mal als Journalist arbeiten möchte? „Nein, lieber nicht. Ich mache hier meinen Abschluss und dann würde ich gerne Psychologie studieren.“

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Mohammed Bouziane

„Die VHS hat mir sämtliche Türen geöffnet“, sagt Anthony Chung, 23, der bereits vor zwei Jahren an dieser Schule seinen Abschluss gemacht hat. „Vorher hatte ich nichts. Keine Ahnung, wohin es gehen sollte. Ich habe mal hier, mal da gejobbt. In verschiedenen Bars, Call Center, immer auf Zeit. Dann habe ich diese Aktivierungsmaßnahme mit dem Jobcenter begonnen und Gas gegeben.“ Heute macht er bei der Bogestra eine Ausbildung zum Industriemechaniker.  „Wenn ich das schaffe, schafft Ihr das auch!“ Für seine emotionalen Worte auf der Bühne bekommt er starken Beifall.

„Wir sind Vertragspartner“

Theater_flip_kl„Wir schließen mit den jungen Menschen hier am Anfang einen Weiterbildungsvertrag ab“, sagt Ralf Werdelmann, VHS-Geschäftsführer. „Darin steht, welche Pflichten sie erfüllen müssen, und was sie dafür bekommen, welche Leistungen wir als VHS übernehmen. Wir sind also Vertragspartner.“ Beide Seiten können diesen Vertrag auch kündigen. „Das passiert natürlich auch manchmal. Aber die Kolleginnen und Kollegen lassen sich davon nicht entmutigen, wie Sie sehen. Das ist schon sehr beeindruckend.“

„Die Stimmung im Haus ist gut“, sagt Thomas Ratenhof, Direktor der VHS Bochum. „Die Teilnehmer wollen etwas.“ Entscheidend sei auch, dass das Verhältnis zu den Lehrkräften stärker auf Augenhöhe sei, als beispielsweise an einer Schule. „Das ist eine gute Sache für Bochum.“

„Ich habe großen Respekt davor, wenn die Menschen aus dem Quark kommen“

„Der zweite Bildungsweg ist ja etwas Besonderes“, sagt Carola Eckstädt vom Programm „Fit for Future“. „Ich habe großen Respekt davor, wenn die Menschen aus dem Quark kommen und ihren Lebensweg gestalten.“ In den Kursen sind auch mehrere Flüchtlinge. Einige haben aus der Heimat bereits einen Abschluss in der Tasche, der jedoch mitunter nicht anerkannt wird.

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Adnan Abdallah (l.) und Anthony Chung mit Elke Dietinger

„Ich komme immer gerne zu diesen Präsentationen“, sagt Petra Hüsges vom Jobcenter Bochum. „Es ist immer eine Menge vorbereitet. Ich wünsche den Teilnehmenden gute Zeugnisabschlüsse und gute Perspektiven!“

Adnan Abdallah (21) gehört ebenfalls zu den Ehemaligen der VHS im Programm „SchulabschlussPLUS“. „Ich war 17 Monate hier“, erzählt er. „Dann habe ich meinen Ausbildungsplatz bekommen, bei der Stadt Bochum.“ Mit 16 Jahren floh Abdallah mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland. „Meine Schwester geht mittlerweile auch hier zur VHS. Sie möchte Friseurin werden.“ Was er sich für die Zukunft wünscht? „Ein Haus!“, sagt Abdallah, und lacht. „Nein, nein“, sagt er dann ernster. „Den Gesellenbrief zu haben, das wäre wirklich schön.“facebook Like Button

 

 


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