Fachtag Flüchtlinge im Westend | „Ich wollte mal gucken, wo noch Leute fehlen“

Kahraman und Alaa_kl„Ein Bett, zwei Stühle, ein Tisch, ein Kühlschrank – ach, und was zum Essen, wie heißt das? Besteck? Ja, genau Besteck!“ Kahraman Ahmed (23) kam vor 16 Monaten aus Syrien nach Deutschland. Sieben Monate lang war er unterwegs. Seit kurzem hat er eine Wohnung in Wattenscheid. „Ich brauche nicht viel, bald habe ich alles beisammen“, sagt er. Zwei Stühle braucht er, weil Alaa Morgan (18) nun vielleicht häufiger bei ihm sein wird.

facebook Like Button„Alaa kommt aus dem gleichen Dorf wie ich“, sagt Kahraman, der für beide spricht, weil Alaa erst seit einer Woche in Deutschland ist; in Dortmund ist er in einer Erstaufnahme untergebracht. Getroffen haben sie sich in Deutschland über facebook. „Alle sind bei facebook“, sagt Kahraman, „mein ganzes Dorf.“ In diesem kurdischen Dorf, aus dem beide stammen, lebten einmal 3000 Menschen. „Ich weiß nicht, wie viele noch dort sind.“

EInführung Köllner_klUnter dem Motto „Willkommen im Quartier“ lud die Ifak Ende Oktober zu einem Fachtag für Ehrenamtliche und Institutionen im Westend, die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland unterstützen wollen. Über 100 Interessierte kamen zur Vernetzung ins Q1. Auch weil in der Humboldtstraße (dem ehem. Gewerkschaftshaus) seit dem vergangenen Freitag ca. 75 Flüchtlinge untergebracht sind, „Wir freuen uns über jede Hilfe“, sagt Sozialarbeiter Dennis Reiter.

Thementisch Wegweiser_kl„Ich wollte mal gucken, wo noch Leute fehlen“, sagt Christian Dicke aus Goldhamme und schaut sich suchend zwischen den sieben Thementischen um.

„Zwei Frauen erzählten uns vorhin, sie könnten nicht zum Sprachkurs gehen, weil sie kleine Kinder haben“, sagt eine Frau am „Thementisch Frauen“. – „Wie wäre es mit einem Frauentreff mit Kinderbetreuung?“, schlägt jemand vor.

Thementisch Wegweiser2_kl„Viele Kinder sind unversorgt, weil ihre Eltern nicht verstanden haben, was sie für ihre Kinder für die Schule besorgen sollen“, sagt Frau Fedorowski von der Arnold Grundschule. „Vielleicht könnten wir Patenschaften für eine Grundausstattung einrichten“, sagt Ulrich Pieper. „Dann spendet jemand zum Beispiel 50 Euro, um ein Kind mit Schulsachen auszustatten.“

„An unserer Schule sind 25 Flüchtlingskinder“, sagt Martina Böhning von der Grundschule an der Maarbrücke. „Sie werden von unseren Kindern mit großer Wertschätzung empfangen. Vielleicht auch weil so viele Familien bei uns selbst einen Migrationshintergrund haben. Auch sie haben einmal ihr Land verlassen, auch sie sprachen kein Deutsch, oder kennen Menschen, denen es so ging.“

Thementisch Kultur_klAlaa Morgan verfolgt die Gespräche mit aufmerksamen Augen. Die Worte versteht er nicht, aber er versteht, worum es geht. „Die Menschen in Deutschland sind sehr freundlich. Sie lachen immer“, sagt er. Sein Freund Kahraman übersetzt für ihn. Vielleicht schöpfen sie Mut daraus, dass so viele Menschen zusammen gekommen sind, um zu helfen. „Ich möchte richtig gut Deutsch lernen“, sagt Kahraman, der in Syrien als Polizist gearbeitet hat. „Und dann will ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machen.“

Gefördert wurde der Fachtag durch den Verfügungsfonds des Stadtumbau West(end), organisiert durch die Ifak in Kooperation mit dem Projekt „NRW hält zusammen“ und dem Kommunalen Integrationszentrum Bochum.facebook Like Button

 

 

 

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