Ein Haus – zwei Meister

Rehbruch_Gustav_klSeit April sorgen Gustav Magdalinski und Michael Rehbruch im Q1 dafür, dass alle Schrauben sitzen und der Kaffee frisch ist.

Wenn man Gustav Magdalinski fragt, ob er in seinem Job auch mal Wochenende hat, sagt er: „Ach, das ist ja alles relativ.“ Seit September wohnt er gleich neben dem Q1, seinen Vorgarten teilt er sich mit den 120 Kindern aus der Kindervilla Pfiffikus gegenüber. „Na klar, kenne ich die meisten mit Namen.“ Und alle kennen ihn. Weil er eigentlich schon seit sechs Jahren hier ist. Ehrenamtlich allerdings. Seit April ist er offiziell Hausmeister des Q1.

Zur gleichen Zeit wurde Michael Rehbruch offiziell „Gastgeber“ im Q1. „Als ich beim Arbeitsamt die Ausschreibung für einen Gastgeber sah, wusste ich sofort: das ist etwas für mich“, sagt er. In der Ukraine hat Rehbruch Literatur studiert und promoviert. Vor 17 Jahren kam er mit seiner Frau und einer Tochter nach Deutschland, inzwischen ist er deutscher Staatsbürger. „Meine Frau arbeitet, meine Tochter studiert und spricht 6 Sprachen. Ich wollte auch immer arbeiten, aber beim Arbeitsamt haben sie nie etwas Passendes für mich gefunden.“

Rehbruch_Gustav1_klSeinen neuen Job möchte er deutlich, aufmerksam und gut machen. So wie er es früher an der Universität gemacht hat. „Ich kann Auskunft geben und ich bin für viele Menschen hier wichtig, das macht mir Freude.“ Für die Gäste und MitarbeiterInnen des Q1 macht er am Tag im Schnitt fünf Kannen Kaffee. „Und ich gucke, dass alles schön ordentlich ist, ich mag Ordnung so gerne.“

Zollstock, Schraubenzieher und Notizblock immer dabei

Magdalinski lacht und sagt: „Ich würge auch nicht jeden, der etwas herumliegen lässt oder kaputt macht, aber schöner ist es, wenn alles an seinem Platz ist.“ Für kleinere Reparaturarbeiten hat er stets seinen Zollstock und einen Schraubenzieher in den Taschen seiner blauen Arbeitshose. Und einen Block, um etwas aufzuschreiben. „Ich mache alles, was anfällt“, sagt er. „Meistens weiß ich morgens, was ansteht, aber manchmal kommt eben auch alles anders. Das muss dann auch gehen. Hauptsache, die Leute sind alle freundlich und ehrlich zueinander.“

„Ich spreche hier mit Menschen aus so vielen Kulturen, wie in meinem ganzen Leben nicht“

„Ich bin immer positiv“, sagt Rehbruch. „Unser Leben in Deutschland ist unser großes Glück.“ Das Telefon klingelt, Magdalinski entschuldigt sich und kommt nach einem kurzen Gespräch zurück. „Ich telefoniere schon den ganzen Tag mit verschiedenen Leuten, um herauszufinden, wer für den Baum hinter unserem Haus zuständig ist. Er ist morsch und es fallen immer größere Äste herunter. Irgendwann fallen sie jemandem auf den Kopf, das geht doch nicht.“

Die Polizeipräsidentin kommt ins Foyer des Q1. Sie ist als Rednerin zu einer Veranstaltung der Ifak eingeladen. Aber bevor sie hinter den Türen verschwindet, schüttelt sie allen Anwesenden im Foyer die Hand und stellt sich vor.

So richtig ausweichen kann man sich nicht im Q1. Und so ist es ja auch gedacht, als Ort der Begegnung. „Ich spreche hier am Tag mit Menschen aus so vielen verschiedenen Kulturen, wie in meinem ganzen Leben nicht“, lacht Rehbruch. „Ich habe früher ja eher am Schreibtisch gesessen. Jetzt genieße ich es sehr, mit vielen Menschen zu tun zu haben.“

Der Saal, in dem am Mittag die Polizeipräsidentin und andere tagen, muss für den Abend zum Party-Raum für „Best Ager“ hergerichtet werden, eine Veranstaltung der Diakonie Ruhr. „Das schaffen wir schon“, sagt Magdalinski gelassen. Wir haben bisher alles geschafft. Immer mit der Ruhe.“

q1-bochum.de

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