Ein Friedhof mitten am Rand

Mit Pfarrer Pernak im alten Heusner-Viertel

Der Evangelische Friedhof Pestalozzistraße im Heusner-Viertel ist ein gepflegter, ruhiger Ort, den nicht mehr allzu viele Menschen kennen. „Dieser Friedhof hat früher einmal mitten in einem lebhaften Wohnviertel gelegen!“, erzählt Sven Pernak, Pfarrer der Gemeinde Eppendorf-Goldhamme. Viele Häuser gehörten der Familie Heusner; so erhielt das Viertel auch seinen Rufnamen. In den 1980er-Jahren wurde das Heusner-Viertel für den Bau der Westtangente fast vollständig zerstört. „Die Häuser wurden nach und nach leergezogen“, weiß Pernak. „Nach harten Auseinandersetzungen fanden Zwangsräumungen statt und das Viertel wurde schließlich abgerissen.“

Der Friedhof an der Pestalozzistraße erzählt Geschichten von Bergbau, Krieg, Vergangenheit und Gegenwart.

Heute stehen nur noch ein paar einzelne bewohnte Häuser in der Nähe des Kreisverkehrs, der zur Autobahn führt. Wenn man den Weg zum Kulturhaus Thealozzi gefunden hat, ist auch der Friedhof nicht mehr weit. Der Friedhof erzählt Geschichten von Bergbau, Krieg, Vergangenheit und Gegenwart. Ein großes Holzkreuz, das 2018 erneuert wurde, mitten auf dem Friedhof, besteht aus Spurlattenholz, also dem Material, auf welchem im Bergbauschacht die Förderkörbe geführt wurden. „Das Kreuz und seine Geschichte passen in dieses Viertel“, sagt Pernak. Es wurde in der Lehrwerkstatt von Prosper-Haniel in Bottrop überarbeitet, eine der letzten Aktionen der letzten, 2018 stillgelegten Zeche. „Das Kreuz ist Teil der Abschiedsgeschichte vom Bergbau.“

Pfarrer Sven Pernak

„Engelsburger Friedhof“ – so wurde er auch genannt. „Die Zeche Engelsburg war früher ja gleich hinter dem Friedhof gelegen“, sagt Pernak. Unter dem Friedhof befinden sich aller Wahrscheinlichkeit nach bis heute noch unterirdische Hohlräume, die durch den Flözabbau entstanden sind. Die Männer des Heusner-Viertels arbeiteten fast alle auf der Zeche Engelsburg (Betriebsende 1961) oder beim Bochumer Verein (im heutigen Westpark). Viele von ihnen wurden hier begraben, aber auch die Familiengrab-stätte Heusner befindet sich hier. Zu den Neuerungen auf dem Friedhof gehört ein Kolumbarium. Weil sich immer mehr Menschen für eine Urnenbestattung entscheiden. Außerdem wurde ein unter-stand für Beerdigungen gebaut. „Vorher haben wir bei allen Wettern hier gestanden und Abschied genommen“, erinnert Pfarrer Pernak. Heute finden auf dem Friedhof Pestalozzistraße noch etwa 20 Beerdigungen im Jahr statt.

Ein gepflegter, ruhiger Ort, den nicht mehr allzu viele Menschen kennen: der evangelische Friedhof Pestalozzistraße.

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