Die neue „Westtribüne“

Der Bochumer Bauunternehmer Rüdiger Echterhoff ist seit 15 Jahren im Westend aktiv. Der Kultur Ruhr GmbH baute er eine Heimstätte im Westpark. An der Baarestraße gehört ihm ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg – mit dem er Großes vorhat.  

Im neuen Treppengang: Rüdiger Echterhoff

Mit seiner Lebensgefährtin, der Architektin Gaby Bielawski, hat der Bauunternehmer Rüdiger Echterhoff sich ein dickes Stück Arbeit vorgenommen: für einen fünfstelligen Betrag erstand das Paar vor über zehn Jahren den alten Bunker an der Baarestraße. Außen rottig, innen zugebaut – das war die Ausgangslage. „Das ist mal was ganz anderes“, schwärmt Bielawski. „Sehr spannend!“ Echterhoff, dessen Eltern im Westend aufgewachsen sind, und der deshalb als Kind hier häufig seine Großeltern besuchte, ist auch beruflich seit vielen Jahren im Westend unterwegs. Im Rahmen des Stadtumbau West gestaltete er beispielsweise das neue Parkhaus an der Jahrhunderthalle.

Als er hörte, dass der seit vielen Jahren leerstehende Bunker an der Baarestraße versteigert werden sollte, packte ihn bauliche Abenteuerlust. „Ich habe darin von Anfang an Bauland gesehen“, so der Unternehmer. Zur Versteigerung fuhr er nach Köln. Zum ersten, zum zweiten, zum Dritten: so ging der Bunker an Echterhoff. Und im Westend gibt es neuen Grund für Menschen mit Ideen. „Wir suchen kreative, nette Menschen, die diese Räume nutzen möchten.“

An der Rückseite des Bunkers wurde ein Aufzug gebaut.

Ganz schön schick

Im Frühjahr 2017 trägt der ehemalige Bunker an der Baarestraße den neuen Namen „Westtribüne“; ein Bauplan zeigt die Umrisse von 10 Mietwohnungen (85-115 qm), die auf dem Dach entstehen sollen. „Jede Wohnung hat eine Innentreppe, die zwei Ebenen verbindet“, erklärt Echterhoff. Die tragenden Wände bleiben als Beton sichtbar. Zu jeder Wohnung gehört eine Terrasse. Außerdem entstehen zwei Büroeinheiten mit 250 bzw. 110 Quadratmetern. Die Fassade wird ein freundliches Grau tragen. 2018 soll alles fertiggestellt sein.

Ganz schön schick. Zieht damit nun die Schickeria ins Westend ein? „Ach was!“, winken Echterhoff und Bielawski ab. „Das Westend wird nie ein Pflaster für Kaltmieten über 10 Euro werden.“ Und Vielfalt wiederum hat das Westend schon immer geprägt. Zusätzlich zum Treppenaufgang gibt es an der hinteren Front der Westtribüne bereits einen Aufzug. Ein Fahrradkeller ist im Bau sowie Stellplätze für Mülltonnen.

Requisiten der Kultur Ruhr GmbH. Foto: Echterhoff

Die erste kreative Mieterin ist übrigens schon eingezogen: Die Kultur Ruhr GmbH nutzt seit April die erste Etage als Lagerfläche für zehntausende Requisiten. „Das ist eine gute Nutzung, auch fürs Westend“, sagt Echterhoff. „Sie brauchen keine Stellplätze und bringen kreative Bewegung ins Viertel!“ Wenn die Mitarbeiter zwischen dem Bunker und ihrem neuen Büro – dem von Echterhoff gestalteten neuen Hauptsitz der Kultur Ruhr im Westpark – hin und her pendeln zum Beispiel. Denn der Neubau steht erhaben auf dem Krupp-Plateau – soll jedoch nicht abgehoben sein. Die Fenster zeigen Offenheit; die farbliche Gestaltung signalisiert Zurückhaltung: „Der Bau lebt von drei Farben: dunkelgrau, hellgrau, weiß. Das Bunte bringen die einzelnen Mitarbeiter rein.“

Die Kultur Ruhr GmbH zog Anfang 2017 aus ihrem langjährigen Provisorium in Gelsenkirchen in das neue dreigeschossige Gebäude auf dem Krupp-Plateau, wenige Meter von der Jahrhunderthalle im Bochumer Westpark entfernt. Auf rund 1350 Quadratmetern sind nun die vier Programmsäulen Ruhrtriennale, ChorWerk Ruhr, Urbane Künste Ruhr und Tanzlandschaft Ruhr beheimatet. Die kaufmännische Geschäftsführung übernimmt ab Juli 2017 die promovierte Juristin Dr. Vera Battis-Reese. Vom neuen Gebäude aus blickt man auf das Wohngebiet Stahlhausen – und die neue „Westtribüne“. In dem ehemaligen Hochbunker, wo heute Requisiten der Kultur Ruhr GmbH gelagert werden, fanden im Zweiten Weltkrieg rund 3000 Menschen Schutz vor Fliegerangriffen.

Bunker innen. Foto: Rüdiger Echterhoff
Auf dem Dach des Bunkers entstehen 10 Mietwohnungen. Foto: Rüdiger Echterhoff.

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