Die Mischung ist gut

Das „atelier automatique“ markiert seit Anfang dieses Jahres einen neuen Kreativpunkt an der Rottstraße – nicht als abgehobene Szenelocation, sondern mit direktem Draht zur Nachbarschaft. Die Performance-Künsterin Pia Alena Wagner erklärt das offene Konzept.

Es soll keiner denken, dass die Rottstraße nun zu Protz und Arroganz verkommen könnte. „Manche denken ja an Gentrifzierung, wenn neue Künstler in ein Viertel ziehen“, sagt die Performance-Künstlerin Pia Alena Wagner (29) vom neuen „atelier automatique“ an der Rottstraße 14. „Aber das ist nicht das, was wir wollen! Wir lieben gerade diese besondere Mischung in dieser Gegend. Die Kunst und den teilweise kaputten Charme. Dass eben nicht alles aufpoliert ist.“
Das atelier automatique ist ein offener Raum für Ideen und für Menschen, die gerne kreativ und in Gemeinschaft arbeiten. „Neue Leute sind bei uns auch sehr willkommen!“, so Wagner. Als Besucher, Förderer oder Mitgestalter. „Wir freuen uns, wenn möglichst unterschiedliche Menschen zu uns kommen.“ Betrieben wird das Ladenlokal an der Rottstraße Ecke Schmidtstraße von einem eingetragenen Verein, der sogenannten Gemeinschaft zur Förderung und Vernetzung der freien Künste Bochums. Viele kommen aus der Szenischen Forschung, andere fotografieren oder zeichnen. Zahlende Vereinsmitglieder dürfen den Raum und die Schreibtische, die darin stehen, für sich nutzen. „Fünf von uns zahlen etwas mehr, dafür haben wir jeweils feste Schreibtische“, erklärt Wagner. Alles andere wird geteilt.

Automatisch im Fluss

Die Dinge fließen lassen, mit dem Vorhandenen improvisieren (ähnlich der surrealistischen Methode der „Écriture automatique“, des automatischen Schreibens): diese Idee hält das atelier automatique zusammen.
„Der Name entstand, während wir diesen Raum renovierten“, erzählt Wagner. „Immer, wenn beim Streichen oder Bauen etwas schief ging, wenn etwas nicht so lief, wie geplant, sagten wir einfach: ‚Oh, it‘s automatique!‘ Und ließen den Dingen ihren Lauf.“
Automatisch entstanden sind kurz nach der atelier-Eröffnung im Januar 2017 auch Verbindungen zur Nachbarschaft: „Wir hatten an einem Abend zeitgleich mit den Rottstr5-Kunsthallen, dem Stadtzimmer Neuland und der adhoc-Galerie eine Veranstaltung bei uns“, berichtet Wagner. „Da spazierten die Leute bequem von einem zum anderen Ort.“ Das atelier-Team, das vor allem aus jungen Hochschulabsolventinnen besteht, bringt ein neues Publikum ins Viertel. „Wir möchten aber sehr gerne auch die Menschen, die hier wohnen, ansprechen. Vielleicht machen wir mal ein Nähcafé oder andere handwerkliche Treffen.“
Anfang Juli jedenfalls öffnet das atelier automatique wieder seine gläsernen Schiebetüren für einen Flohmarkt.
Das Unprätentiöse ist das, was Wagner auch insgesamt am Ruhrpott am besten gefällt. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Düsseldorf. „Mir gefällt die offene und direkte Art der Menschen hier. Ich bin ja erst seit ein paar Jahren hier, aber ich bin ziemlich sicher: hier werde ich bleiben!“

Kontakt: atelier automatique
Helene Ewert, Vorsitzende
E-Mail: info@atelierautomatique.de
atelierautomatique.de

Nächster Flohmarkt:
Dienstag, 2. Juli, ab 12 Uhr

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