Die Meinungen zur neu gestalteten Normannenstraße: so vielfältig wie das Leben im Stadtteil

Falko Kupsch vom Stadtplanungsamt (ganz links) und Birgit Schwarte (Mitte) vom Grünflächenamt führten über die neue Stadtteilachse.

Wie die neue Stadtteilachse Normannenstraße in Goldhamme aussehen soll, darüber war monatelang leidenschaftlich diskutiert worden: mit Anwohnenden, Stadtplanenden und der Stadt Bochum. Wollen wir offene Treffpunkte mit Sitzgelegenheiten oder nicht? Wollen wir die alten, Früchte werfenden Bäume behalten? Wollen wir mehr Licht? Wollen wir mehr Parkplätze oder mehr Raum zum Laufen und Spielen? Wie kriegen wir das Müll-Problem in den Griff?

Das ausführende Landschaftsarchitekturbüro Danielzik Leuchter + Partner hatte in den vergangenen Monaten die Aufgabe, die extrem unterschiedlichen Bedarfe in einem einheitlichen Konzept zusammenzuführen. Klar ist: Wenn viele gefragt werden, sind die unterschiedlichen Meinungen kaum vereinbar.

So waren auch bei der Feier zur Fertigstellung der Normannenstraße in dieser Woche die Meinungen gespalten.

Folgende Elemente lösen bei den einen Begeisterung – und bei anderen Unmut aus:

Neue Fahrradständer vor der Alten Post
• Juchhu! Endlich muss ich mein Fahrrad nicht mehr über zwei Treppen in unseren Keller schleppen.

Die neue Stadtteilachse wurde in vielen Einzelheiten vorgestellt.

• Warum denn Fahrradständer? Da waren vorher zwei Parkplätze, das hat mir besser gefallen.

 

Neue Bäume mit Cortenstahl-Einfassungen entlang der Normannenstraße
(Die Anzahl der Bäume ist gleich geblieben.)
• Die Stahl-Ränder sind gefährliche Stolperfallen für Kinder!
• Das sieht sehr ordentlich und modern aus. Und die Straße ist deutlich heller geworden. Das gefällt mir gut.
• Ich trauere um die schönen alten Bäume.
• Gut, dass die Nussbäume weg sind! Das war jedes Jahr ein Riesendreck und die Ratten haben die Nüsse gefressen.
• Unsere Nachbarn im Haus schimpfen sogar noch über die kleinen Bäume. Sie hätten am liebsten überhaupt keine Bäume in der Straße. Wahrscheinlich weil sie im Herbst das Laub nicht fegen wollen, oder was weiß ich…

Neue Spielstätte an der Ecke Normannenstraße/Eugenstraße
• Ich sehe das schon kommen: da werden die Kinder bis spät in den Abend hinein rumtoben. Und wir Nachbarn kriegen den ganzen Lärm ab.
• Toll, dass es so einen offenen Ort für die Kinder zum Spielen gibt!

Bänke
• Als älterer Mensch freue ich mich natürlich, wenn es viele Sitzmöglichkeiten hier gibt!

Bezirksbürgermeisterin Gabi Spork, die den Planungsprozess in den vergangenen Jahren begleitet hat, begrüßte mit heiteren Worten.

• Ich finde das nicht gut. Das haben wir auch immer deutlich gesagt: Wir wollen keine Bänke, auf denen bis spät in die Nacht hinein rumgelungert und Alkohol getrunken wird.
• Das ist doch schon mal ein Anfang! Von mir aus sollte es noch viel mehr von diesen Begegnungspunkten geben, wo man mal jemanden aus der Nachbarschaft trifft und plaudern kann.
• In der Alten Post haben wir eine Ehrenamtliche, die 80 Jahre alt ist: Sie schwärmt von den bunten, runden Sitzdingern (wie nennt man die?). Sie hat sich draufgesetzt – und ist sehr gut wieder hoch gekommen. Das schaffen nicht alle von uns, aber seitdem sind wir von den runden Sitzen überzeugt!

Parkplätze (Die Anzahl der Parkplätze ist gleich geblieben.)
• Ich hätte es gut gefunden, wenn wir mehr Parkplätze hier bekommen hätten!
• Ich wohne seit zwei Jahren hier und hatte noch nie ein Parkplatz-Problem. Es gibt immer genug Plätze.
• Hier parkt doch jeder, wo er will. Wir brauchen mehr Poller oder ähnliche Absperrungen, alles andere bringt nichts.
• Von mir aus könnte die gesamte Normannenstraße eine Fußgängerzone sein! Die Kinder könnten frei herumlaufen. Das wäre doch schön!
• Ich möchte aber doch vor meiner Haustüre parken können!

Pflasterung
• Ich finde das sehr gelungen. Sehr ordentlich und offen.

Beim lokalen Eisladen kostet die Kugel Eis noch 50 Cent. Zur Feier des Tages gab es für jeden Gast eine Kugel kostenlos.

• Am Springerplatz gibt es doch die gleiche Pflasterung – und da sind inzwischen etliche Steine locker. Wird das bei uns in ein paar Monaten ähnlich aussehen?
• Die niedrigen Übergänge sind sehr prakisch – für Menschen, die mit Rollatoren oder Kinderwagen unterwegs sind.

Die neue Stadtteilachse Normannenstraße verläuft vom Grünzug bis zur Alten Post und schafft so eine Verbindung zwischen zentralen Orten in Goldhamme. Durch die Errichtung von Begegnungspunkten sollte die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Wiederkehrende Gestaltungs- bzw. Ausstattungselemente sollen zu einem einheitlichen Erscheinungsbild beitragen. Die gesamte Straße ist nun barrierefrei ausgebaut, die Fläche zwischen Goldhammer Straße und Eugenstraße hat eine neue Pflasterung erhalten. Durch die Neupflanzung von kleinen, schmalen Bäumen wurden die Lichtverhältnisse zugunsten der Sicherheit verbessert.

Die Feier wurde organisiert vom Stadtumbaubüro Bochum West – mit selbstgebackenem Kuchen vom Stadtteiltreff Alte Post, Eis vom anliegenden Eisladen und einem Stadtteil-Quiz mit 10 Fragen über den Stadtteil.

Trotz des schlechten Wetters kamen viele Anwohnende zur offiziellen Fertigstellung der Normannenstraße.
Falko Kupsch vom Stadtplanungsamt beantwortete zahlreiche Fragen und die Kritik der Anwohnenden.
Bei einem Stadtteil-Quiz vom Stadtumbaubüro gab es den Gold!Hammer!Pokal! zu gewinnen.
Die metallene Halbkugel mit Fallschutz drumherum bietet eine neue Spielgelegenheit für die zahlreichen Kinder im Stadtteil. Anwohnende befürchten, dass damit auch der Lärmpegel steigt.
Wo vorher eine Brachfläche war, sind heute Parkplätze.

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