Die Kindervilla Pfiffikus hat einen Weihnachtsbaum – und alle Religionen feiern mit

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Foto: Nadine Pütter, LJ-Fotografie

Ein starkes Symbol sei der Weihnachtsbaum, sagt Stephanie Schoenfeld, ständige stellvertretende Leiterin der Kindervilla Pfiffikus in Stahlhausen. „Zum deutschen Weihnachtsfest gehört er dazu.“ Auch in der Kindervilla, wo nur etwa 15 Prozent der Kinder einen christlichen Hintergrund haben.

„Wir feiern in unserer Einrichtung alle christlichen und muslimischen Feste nach dem Gastgeber-Prinzip“, erklärt Schoenfeld. Wenn ein religiöses Fest ansteht, setzt sich eine Gruppe der jeweiligen Glaubensvertreter zusammen, um gemeinsam zu überlegen, in welcher Form und mit welchen Liedern oder Gedichten gefeiert werden soll.

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Kinderhand-große Weihnachtsmänner zieren den Baum.

facebook Like Button „Wir sprechen auch die Eltern an, ob sie bei der Vorbereitung helfen wollen.“ Zum Nikolausfest kommt traditionell ein verkleideter Nikolaus. „Die Kinder gehen alle zu ihm, egal welcher Herkunft sie sind. Einige tragen Gedichte vor, wenn sie das wollen.“ Dazu werden weihnachtliche Lieder gesungen.

„Ich betrachte das mit großem Respekt“

Auf entsprechende Weise wurde im September das muslimische Opferfest gefeiert (->LINK), zu St. Martin fand ein christliches Martinsfest statt, wo andere nur noch ein Laternenfest feiern. „Bei unserer Adventsfeier waren deutlich mehr muslimische als christliche Eltern dabei, weil sie zahlenmäßig stärker vertreten sind“, so Schoenfeld, die selbst katholisch ist. „Eingeladen sind immer alle.“

„Ich finde den Baum sehr schön“, sagt Sonia Ferchichi (44), die in Tunesien aufgewachsen ist. „Für mich ist er ein Symbol für Frieden und Freundschaft, ein Stück Natur.“ Zwei ihrer Töchter hat Ferchichi gerade in die Kindervilla gebracht, die älteste geht schon in die Schule.

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Der Schmuck einer älteren Frau aus Stahlhausen weckt bei den Mitarbeiterinnen der Kindervilla Kindheitserinnerungen.

„Zu Hause haben wir keinen Baum. Wir sind ja Muslime, das ist bei uns nicht Tradition“, erklärt sie und schaut aufmerksam zu, wie der Baum aufgestellt wird. Ihre beiden Jüngsten tanzen fröhlich darum herum. „Von unseren christlichen Nachbarn kennen wir den Weihnachtsbaum natürlich. Ich betrachte das mit großem Respekt.“

Im nächsten Jahr vielleicht noch mehr Bäume an Kitas verteilen

„Schaut mal, wie filigran, wie glitzrig die sind!“, ruft Schoenfeld und holt aus einer durchsichtigen Schachtel einige fein bemalte Weihnachtsbaumkugeln hervor. „Die sind bestimmt noch handbemalt!“ Dazu gehört ein Karton mit bunten Figuren aus Holz, Gips, Zapfen, Kordeln für den Weihnachtsbaum. „Eine ältere Frau aus der Nachbarschaft hat uns diesen Schmuck geschenkt. Sie selbst stellt in diesem Jahr keinen Baum mehr auf.“

Der Baum in der Kindervilla ist einer Spendenaktion der Essenta Finanzpartner GmbH mit dem bundesweit aktiven Verein Kinderlachen zu verdanken. „Eine Nordmanntanne!“, erklärt Patrick Appelbaum von der bekannten Wattenscheider Landwirtsfamilie, der den Baum geliefert hat. „Die Nordmanntanne nadelt weniger.“

SAM_1652_klIn diesem Jahr sei die Idee zum Baumsponsoring eher kurzfristig entstanden, sagt Dominik Krantz von der Essenta. Zwei Kitas konnten bedacht werden. „Im nächsten Jahr können wir vielleicht noch mehr Bäume verteilen“, so Krantz. „Der Weihnachtsbaum ist so ein magisches Symbol.“

Ein paar Tage später ist der Baum schon geschmückt. Mit den bunten filigranen Kugeln aus alten Zeiten, aber auch mit selbst gebastelten Sternen und  kinderhandgroßen Weihnachtsmännern. „Die Kinder kommen mehrmals am Tag an dem Baum vorbei“, sagt Schoenfeld. „Dann rufen sie stolz ‚Das habe ich gemacht!‘ und zeigen auf alles, was sie selbst gebastelt haben.“

facebook Like ButtonDer 2002 gegründete Verein Kinderlachen unter der Schirmherrschaft von Michael Rummenigge und Matze Knop finanziert Hilfsaktionen in Kinderkliniken, Kinderhospizen und Kindergärten. Infos: kinderlachen.de

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