Denn sie wissen nicht, was wir tun

Marc Schellewald, Stefan Friedrichs und Karsten Firley sind die Quartiershausmeister im Bochumer Westend. Ein Job mit viel Bewegung, frischer Luft und Überraschungen.

Marc Schellewald hat sich seine Liebe für die Stadt Bochum auf den Arm tätowieren lassen und betreibt in Langendreer seinen eigenen Blog.

„Viele wissen gar nicht, wer wir sind und was wir machen“, sagt Marc Schellewald. Merkwürdig eigentlich. Denn mit seinen Kollegen Stefan Friedrichs und Karsten Firley ist er laufend im Westend unterwegs, und nicht wirklich leicht zu übersehen. Auf den Shirts und Jacken der drei prangt in leuchtend weißer Schrift „Quartier-Hausmeister Ifak e.V.“ – „Schauen Sie mal, jetzt haben wir auch noch passende Taschen bekommen! Und Handschuhe!“, ruft Friedrichs. Um aufzusammeln, was nicht auf die Straße gehört. Einkaufswagen passen aber leider nicht in die neue Tasche.

Dabei gehören die Einkaufswagen derzeit zu den sperrigsten Problemen in Goldhamme. „Manche Leute gehen offenbar am Anfang des Monats groß einkaufen, fahren den Wagen bis vor die Haustür und lassen ihn an der nächsten Straßenecke stehen“, vermutet Schellewald. Jedenfalls sah er in den vergangenen acht Monaten schon jede Menge Einkaufswagen herumstehen. Was wohl aus denen wird? Die Stadt Bochum sieht sich dafür nicht verantwortlich („Wer die Wagen vermisst, soll dafür sorgen, dass er sie zurückbekommt.“) Und die Supermärkte geben sich ahnungslos („Das können nicht unsere Wagen sein! Niemand verlässt unseren Parkplatz mit einem Einkaufswagen, das geht gar nicht!“)

Schellewald, Friedrichs und Firley, die schon so manchen Wagen zurückgebracht haben, regen sich darüber nicht auf. Weil sie es nicht ändern können.

Karsten Firley war als Stabsunteroffzier viele Jahre in Belgien stationiert.

Im Stadtteilzentrum Q1 sitzen sie bei einer Tasse Kaffee zusammen und erzählen, wer sie eigentlich sind und was sie machen – ein ehemaliger Stabsunteroffizier und zwei Garten- und Landschaftsbauer, 52, 38 und 47 Jahre alt, ein Junggeselle, zwei Familienväter, alle drei mit dem Herzen „tief im Westen“ verankert (Schellewald hat das Bochumer Bekenntnis sogar auf seinen rechten Unterarm tätowieren lassen).

„Wir kümmern uns um alles Mögliche“, sagt Firley. „Neulich habe ich jemanden beim Einparken beobachtet und freundlich gesagt: ‚Können Sie nicht etwas weiter vorne parken? Schauen Sie mal, der Gehweg ist sonst so zugeparkt, dass kein Rollstuhl und kein Kinderwagen mehr durchkommt.‘ Die Fahrerin sah das sofort ein, dankte und parkte ihr Auto woanders. Das hat mich gefreut.“ – „Ja, und eine halbe Stunde später stellt jemand anders sein Auto an genau dieser Stelle ab!“, ergänzt Schellewald und alle drei lachen. Weil sie es nicht ändern können.

Etwa vier Mal am Tag zeigen die Quartiershausmeister über die „Mängelmelder“-App der Stadt Bochum kleinere oder größere Missstände an. „Manchmal wird der Schaden noch am gleichen Tag behoben, vor allem auf Kinderspielplätzen“, so Firley. „Alle anderen meist im Laufe einer Woche.“

Stefan Friedrichs arbeitete viele Jahre im Haus- und Grundstücksservice und freut sich auf viel frische Luft als Quartiershausmeister.

Stefan Friedrichs ist erst seit wenigen Wochen im Team. „Bisher ist alles super! Den ganzen Tag frische Luft…“ – „Am Tag kommen wir gerne mal auf 10.000 Schritte“, sagt Schellewald. „Vor allem natürlich, wenn wir Flyer vom Stadtumbaubüro oder die Stadtteilzeitung an alle Häuser zu verteilen haben.“ – „Ich habe in diesem Job schon 12 Kilo abgenommen“, freut sich Firley. Manchmal werden sie auf ihren Wegen von Bewohnern angesprochen. „Uns gefällt das gut, wenn die Leute uns ansprechen“, sagen alle drei. „Wenn die Leute wissen, dass es uns gibt und was wir tun.“

 

Mängelmelder App im Internet unter: www.bochum.de/maengelmelder

Die Quartiershausmeister sind im Rahmen des Aktionsplans Soziale Stadt in Kooperation mit Ifak e.V. angestellt.

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