Das Stadtumbaubüro verabschiedet sich

2019 endet nach 12 Jahren die Stadtumbau-Phase im Bochumer westend. einige bereits begonnene Bauprojekte werden noch fertiggestellt. doch das Büro an der Kohlenstraße schließt im Dezember seine Türen. Grund genug, um zurückzublicken, aber auch nach vorne.

Von Lissa Peters, Dorte Huneke-Nollmann (Team Stadtumbaubüro)

Als Goldhamme, Stahlhausen und der Griesenbruch vor 12 Jahren in den Stadtumbauprozess eingestiegen sind, war dies für viele in Bochum Neuland: Im „Westend“ (der Begriff wurde neu eingeführt, um die Gebietsgrenzen zu beschreiben) wurde damals das erste integrierte Stadterneuerungsprogramm in Bochum umgesetzt.

Viele Millionen sind in die bauliche Umgestaltung des Westends geflossen und haben zahlreiche private Investitionen nach sich gezogen. hunderte kulturelle Projekte wurden realisiert, bei denen jedes Jahr über 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Ideen und Talente gezeigt haben. Es sind Netzwerke entstanden und einige öffentlich zugängliche Räume konnten neu ausgestattet werden. (>>Stadtumbau)

Eine andere Entwicklung erscheint uns ebenso wesentlich, die vielleicht exemplarisch für die zahlreichen Beteiligungsformate ist, welche der Stadtumbau in 12 Jahren durchgeführt hat: Als Nejla Elif Usta vom Ifak-Stadtteiltreff Stahlhausen im Jahr 2008 Unterschriften gesammelt hat, um bei der Stadt eine Neugestaltung einer ungenutzten, ungepflegten Wiese an der Gremmestraße durchzusetzen, sagten viele in Stahlhausen zu ihr: „Das schaffst Du doch eh nicht, daraus wird nichts!“ Kaum jemand glaubte daran, dass die Stadt ein offenes Ohr für die Belange des Stadtteils haben würde. Tatsächlich wurde aber wenige Jahre später ein neuer Spielplatz „Gremmepark“ eingeweiht, finanziert durch den Stadtumbau und gestaltet auf der Basis eines Beteiligungsverfahrens mit den Kinder und Eltern vor Ort.

Wir denken, dass somit außer dem Spielplatz noch etwas anderes aufgebaut werden konnte: die Überzeugung, dass sich mit bürgerschaftlichem Engagement tatsächlich manchmal, wenn die Argumente gut sind und die Umstände es zulassen, etwas bewegen lässt.

Natürlich lassen sich selbst in 12 Jahren nicht alle baulichen und sozialen Problemstellen in einem Quartier mit rund 12000 Menschen beheben und nachhaltig lösen. Unser Ziel bestand darin, im Austausch mit den Bewohner*innen vielfältige Verbesserungen zu schaffen. Wenn wir auf den Springerplatz, das Q1, die Alte Post, die zahlreichen neuen Fassaden, Straßenzüge und Spielplätze schauen, die zusammen mit den Menschen vor Ort auf- und umgebaut worden sind, wenn wir auf die Netzwerke schauen, die über die Jahre gewachsen sind, dann können wir feststellen: Der Stadtumbau hat Wesentliches verändert, indem er nicht nur Steine bewegt, sondern auch Orte geschaffen hat, an denen Menschen zusammenkommen und ihre Nachbarschaft gestalten können.

Unser Tun im Stadtumbaubüro wäre aber nicht ohne das Engagement der städtischen Mit-arbeitenden denkbar, denen wir an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit danken möchten.

In den vergangenen Monaten haben wir uns im Stadtumbaubüro, welches im Auftrag der Stadt Bochum von der Planungsgruppe Stadtbüro und dem Verein Ifak geleitet wird, zudem dafür stark gemacht, dass weiterhin Mittel in diesen Stadtteil fließen werden, um die geschaffenen Strukturen sowie etablierte kulturelle Formate zu erhalten. Die Stadt plant nun, personelle Ressourcen für die Koordinierung von Stadtteilprozessen zu schaffen.

Im Januar 2020 übergeben wir den Staffelstab an das neu geschaffene „Netzwerk Westend“, ein offenes Netzwerk von Menschen, die im Westend leben oder arbeiten und die bereits seit vielen Jahren Verantwortung für Aktivitäten im Stadtteil übernehmen.

Mit Blick aufs Jahresende 2019, an dem das Stadtumbaubüro seine Türen schließt, verabschieden wir uns mit Dank, Anerkennung und großer Zuversicht von den Menschen, die den Stadtumbauprozess im Westend mitgetragen und mitgestaltet haben. Bis dahin stehen wir gerne weiter für Fragen und Anregungen zur Verfügung – und den Menschen, die die positive Entwicklung des Westends weitertragen werden, wünschen wir gute Ideen, Zusammenhalt und sichtbare Erfolge ihrer Arbeit.

Lissa Peters (l., Planungsgruppe Stadtbüro) und Dorte Huneke-Nollmann (IFAK e.V.) haben das Stadtumbaubüro in den abschließenden Jahren gemeinsam geleitet.

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