„Da habe ich natürlich auch an meine Heimat gedacht“

Im Rottstr5-Theater läuft seit 2010 das Stück „Fight Club“. In der „Neu in Deutschland“-Redaktion scheiden sich über das Erfolgsstück die Geister.

„Es ist sieben Minuten nach halb acht, warum fangen sie nicht an? Ich dachte, in Deutschland ist alles pünktlich?“ (Boushra El Dalaf)
Die Vorstellung am 16. Oktober ist komplett ausverkauft. Die Zuschauer suchen sich ihre Plätze.

„Den Film „Fight Club“ mag ich sehr. Auf das Theaterstück bin ich gespannt.“ (Omar N.)

Das Stück beginnt, es dauert 90 Minuten. Alexander Ritter (Jack), Felix Lampert (Tyler Durden), Dagny Dewath (Marla Singer) und Akbar Paktin (Raymond K. Hessel) erhalten begeisterten Applaus. Im „Neuland“ nebenan tauscht das NeuinDeutschland-Team Eindrücke aus.

„Das Stück reflektiert die Frustration junger Männer heute. Es war ein sehr gutes Stück. Schade nur, dass wir nicht die ganze Sprache verstanden haben.“ (Azeddin Darmach)

„Der Anfang war für mich langweilig, weil da viel gesprochen wurde. Ich habe sehr wenig verstanden. Das Ende war laut, aber für mich besser.“ (Boushra El Dalaf)

„Ich habe irgendwann verstanden, dass beide Männer eine Person waren. Das gefiel mir sehr gut. Diese Person führt einen Kampf gegen sich selbst. Das ist der schwierigste Kampf überhaupt.“ (Abdul Salah)

„Jeder Mensch hat zwei Seiten.“ (Omar N.)

„Schauspielerisch hat mir das sehr gut gefallen, besonders Alexander Ritter. Es gab viele Worte, die ich nicht verstanden habe, aber ich habe mit Konzentration zugeschaut.“ (Abdul Salah)

Eine Szene aus dem Stück: „Erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun.“ (Tyler)

„Das ist unrealistisch: dass man alles zerstören muss, um etwas Neues aufzubauen. Dass man alles neu machen kann, wenn alles verloren gegangen ist. Das ist eine alte Idee, aber sie ist nicht richtig! Als das im Stück gesagt wurde, habe ich natürlich auch an meine Heimat gedacht.“ (Azeddin Darmach)

„Es gab so viel Kälte in dem Stück, viel Schlechtes. Mir hat das nicht gefallen. Das Stück „Othello“ hat mir viel besser gefallen.“ (Marwan Alfneesh)

„Es gab brutale Szene – na und? Das Leben ist so. Die Szene, in der Tyler seinem Freund Jack die Hand verätzt, war nah an unserem Leben. Der IS macht das mit einem Schwert.“ (Mohamad Arbash)

„Glück und Unglück gehören zusammen. Im Leben gibt es das nicht, dass alles schlecht ist, oder alles gut. Positiv und negativ gehören immer zusammen. Das Stück zeigt das negative Gesicht von heute.“ (Azeddin Darmach)

„Die jungen Menschen brauchen doch eine Ermutigung! Nicht Frustration und Demotivation!“ (Mohamad Arbash)

Eine Szene aus dem Stück: „Wenn man an Schlaflosigkeit leidet, ist man immer wach, aber nicht richtig.“ (Jack)

„Die Schlaflosigkeit kenne ich auch. In Syrien habe ich schlecht geschlafen, weil wir an einem unsicheren Ort gelebt haben. Heute versuche ich mich tagsüber mit vielen Dingen abzulenken.  Aber ich habe zwei bis drei Mal in der Woche schlechte Träume, vielleicht nennt man das Alpträume.“ (Abdul Salah)

Der Text erschien in der vierten Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland. Zeitung über Flucht, Liebe und das Leben.“ (>>LINK)

Das Stück „Fight CLub“ nach Chuck Palahniuk & Jim Uhls in einer Fassung von Oliver Paolo Thomas läuft seit  2010 am Rottstr5-Theater.

Nächste Vorstellung „FIght Club“: Samstag, 19. November, 19:30 Uhr, rottstr5-theater.de

 

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