Anspruchsvolle Texte, lukrative Werbung

khaled_alrifaiDie erste arabischsprachige Zeitung in Deutschland wird von Intellektuellen verfasst und trägt den Titel „Abwab“ (Türen). Aber ist es legitim, auf diese Weise massiv Werbung an neu Angekommene in diesem Land heranzutragen?, fragt „Neu in Deutschland“-Redakteur Khaled Al Rifai.

Abwab ist eine kostenlose, arabischsprachige Zeitung, die in Flüchtlingsunterkünften verteilt wird. Sie enthält internationale Nachrichten, Berichte über die arabische Gesellschaft in Deutschland; Informationen über deutsche Paragrafen. Gesetze werden ins Arabische übersetzt, es geht um Sprach- und Schulbildung, um Feminismus. Einzelne Texte erscheinen auf Deutsch. Die Zeitung wird in rapide steigender Auflage gedruckt (ca. 70 000). Im Mai durften wir bei einer Veranstaltung in Essen das Team hinter Abwab kennenlernen.

abwabWorum geht es? Die inhaltliche Leitung liegt bei dem syrisch-palästinensischen Schriftsteller Ramy Al-Asheq, der 2015 als Heinrich-Böll-Stipendiat nach Deutschland kam und Geflüchteter ist. Namhafte Intellektuelle aus Syrien, Irak und dem Nahen Osten schreiben mutig, differenziert, versöhnlich. Alles klingt toll und sehr menschlich, was in der Zeitung steht.

Aber es gibt sehr viel Werbung. Von zwei großen Sponsoren. Für Handy-Sim-Karten und internationale Geld-Transfers. Die Idee zur Zeitung „Abwab“ hatte Necati Dutar, der eine Firma für Ethnomarketing betreibt. Das heißt, er verdient sein Geld damit, deutsche Unternehmen an neue Zielgruppen heranzuführen, in diesem Fall an arabischsprachige Menschen in Deutschland.

Ist dies ein legitimer Weg, um eine Zeitung zu machen? Ich weiß nicht, wer diese Zeitung wirklich liest, diese klugen Texte. Viele Menschen, auch Analphabeten, bekommen die Zeitung – in einer besonderen Lebenslage – kostenlos in die Hand. Das finde ich nicht richtig.

Der Chefredakteur und die AutorInnen, professionelle JournalistInnen, bekommen kein Honorar. Ramy Al Asheq ist ein kluger Mann, der anspruchsvolle, menschliche Texte schreibt. Er bezeichnet sich selbst als einen Feministen. Er macht eine beeindruckende Arbeit. Aber für wen? Es wäre die erste Intellektuellen-Zeitung, die ich kenne, die eine so große Leserschaft hat.

abwab.eu/deutsch

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